Die Situation

Ein ständig pulsierender Organismus, der seit Millionen Jahren auf diesem herrlichen Planeten besteht, kann im Moment fast nur noch mit menschlicher Hilfe überleben und ist in Gefahr, ganz zu verschwinden. Ich spreche vom „Bien“, das den Gesamtorganismus aller Bienen mit Wabenwerk meint. Dieser „Bien“ hat die meiste Zeit seines Daseins ohne Menschen überstanden und seine Lebensform ständig an seine Umgebung angepasst und verfeinert, sämtliche Krisen wurden bisher mit einer natürlichen Intelligenz überwunden.

Die Vermehrung geschah immer durch Volksteilung, die wir alle als Schwärme kennen. Somit war ein ständiger Überfluss vorhanden. Zur Sicherheit wurden immer mehr Königinnen vom Volke erzeugt als wirklich benötigt. Dadurch gab es eine natürliche Auslese, die Stärksten durften überleben, um den Gefahren des Lebens trotzen zu können. Auch die Versorgung der Weiselzellen mit Gelèe Royale geschah im Überfluss, wodurch die Nachkommen viel kräftiger und vitaler wurden, als solche Königinnen, die aus einer Notsituation oder aus künstlichen Nachzuchten entstanden. Das neue Volk war tief vertraut mit dem Duft der Königin, der sich aufs ganze Volk übertrug und somit zum Erkennungszeichen wurde. Das bedeutet, dass jedes Familienmitglied an diesem einmaligen Merkmal vom eigenen Volke erkannt wurde. Dies schützte gleichzeitig vor Räubereien und fremden Eindringlingen, denn die Wächterbienen lassen nur solche „Kollegen“ in ihr Reich hinein, die die gleiche Duftmarke haben. Keiner kam auf die Idee, die Drohnen aus dem Volke zu verbannen. Im Gegenteil, es durften sämtliche Bienenmännchen drinnen bleiben, weil auch dies Einfluss auf die Qualität der Fortpflanzung hat: so konnten die Allerstärksten die neuen Königinnen begatten, was wiederum das Volk insgesamt festigte und eine stetige Weiterentwicklung ermöglichte.

Das Wabenwerk wurde als Skelett, Wohnraum, Wärmespeicher, Vorratskammer und Informationsträger genutzt und diente gleichzeitig zur Klimatisierung der Höhle. Gestört wurden die Völker nur durch natürliche Feinde wie Bären, Marder usw., die versuchten, an ihre süßen Vorräte zu kommen. Dies hat ihre Existenz aber nie gefährdet. Der „Bien“ konnte auch deshalb so lange überleben, weil er über sehr hohe Selbstheilungskräfte verfügt und sich in Notsituationen bisher selber helfen konnte.

In Deutschland und großen Teilen von Westeuropa gibt es praktisch nur noch domestizierte, durch Imker betreute Bienenvölker. Wenn ein Bienenschwarm dem Imker auskommt, kann er kaum in der Natur überleben, da die nötige und vielfältige Nahrung und die dazugehörigen Behausungen fehlen.

Was können wir tun, um dem Bien wieder ein Überleben in der Natur zu ermöglichen?

Hier sind wir alle gefordert, um den Bedürfnissen der Bienen gerecht zu werden und unsere Gier nach Profit etwas herunterzuschrauben. Dass selbst Berufsimker mit Schwarmvermehrung stärkere und gesündere Bienenvölker haben, beweist Günter Friedmann nun schon seit Jahren in der Praxis.

Wir Imker können nur bei uns selber anfangen, das heißt:

  • Konsequent keine Pestizide und Co. verwenden
  • Elektrosmog verringern
  • Für natürliche und ausreichende Nahrung durchs ganze Jahr sorgen
  • Eine Zusammenarbeit und Vernetzung mit Gartenbauvereinen, Landwirten und Kommunen anstreben
  • Genmanipulierte Nahrungs- und Futtermittel meiden
  • Firmen, die Gentechnik einsetzen, anschreiben und konfrontieren
  • Auf natürlich hergestellte Lebensmittel zurückgreifen
  • Die eigene imkerliche Betriebsweise hinterfragen

Dazu gehört, dass wir uns und unsere Bienenhaltung kritisch betrachten, die bisherige Betriebsweise hinterfragen und natürliche Verhältnisse in den Bienenwohnungen ermöglichen. Das heißt konkret auf Naturwabenbau ohne Mittelwände umstellen, die mobilen Rähmchen reduzieren, die Drohnen dürfen im Bienenvolk bleiben, die Bienenkönigin darf sich frei in der Bienenwohnung bewegen und braucht keinen Farbtupfer zur besseren Erkennung. Die Vermehrung geschieht über den Schwarm und die Bienenbehausung sollte möglichst den natürlichen Bedürfnissen entsprechen.

In der Natur steht immer nur ein Raum zur Verfügung. Wir Imker können dies am besten mit Einraumbienenkästen nachahmen. Alle Hochwaben werden schneller ausgebaut. Somit entsteht ein gutes Wärmeklima in der Bienenwohnung, weil keine störenden Rähmchen dazwischen sind, die als Kältebrücke wirken. Somit wird auch der Futterverbrauch im Winter reduziert.

Wir haben selber die Verantwortung für gesündere und widerstandsfähigere Bienenvölker in unseren Händen. Vereinen wir uns, um die großen Herausforderungen der Gegenwart gemeinsam zu meistern.